Energy Harvesting

Ein RFID-Etikett mit angeschlossenem Energy-Harvesting-Modul.
Ein RFID-Etikett mit angeschlossenem Energy-Harvesting-Modul.Foto: B. Molina-Farrugia u. a., CC BY 4.0, Wikimedia Commons

Energy Harvesting — auf Deutsch Energieernte — bezeichnet das Gewinnen kleiner Strommengen aus der unmittelbaren Umgebung. Nicht aus einem Kraftwerk, nicht aus einer Batterie, sondern aus dem, was ohnehin da ist: Licht, Wärme, Bewegung, Funkwellen.

Die Neutrinovoltaik gehört in diese Familie. Wer sie einordnen will, sollte die anderen Mitglieder kennen.

Der Gedanke dahinter

In der klassischen Energietechnik geht es um Menge: Ein Kraftwerk soll möglichst viel liefern. Beim Energy Harvesting geht es um etwas anderes — um Unabhängigkeit.

Ein Sensor, der ein Milliwatt braucht, ist kein Energieproblem. Er ist ein Wartungsproblem. Eine Batterie hält ein paar Jahre, dann muss jemand hinfahren. Bei zehn Sensoren ist das eine Aufgabe, bei zehntausend ein Geschäftsmodell, das nicht funktioniert.

Deshalb misst man in diesem Feld nicht in Kilowatt, sondern in Mikrowatt je Quadratzentimeter — und die entscheidende Frage lautet nicht „wie viel?", sondern „wie lange ohne Zutun?".

Die etablierten Quellen

QuellePrinzipGrößenordnung
Licht im FreienPhotovoltaikeinige Milliwatt je cm²
Licht im RaumPhotovoltaik10 bis 100 Mikrowatt je cm²
WärmegefälleThermoelektrikrund 100 Mikrowatt je cm² bei 5 K Unterschied
SchwingungPiezoelektrikeinige hundert Mikrowatt je cm³
FunkwellenGleichrichterantenneBruchteile eines Mikrowatt je cm²
BetazerfallBetavoltaikMikrowatt, dafür Jahrzehnte

Die Spannweite über fünf Größenordnungen ist der eigentliche Befund. Es gibt nicht die Umgebungsenergie, sondern sehr unterschiedlich ergiebige Kanäle — und jeder hat seine Bedingung. Photovoltaik braucht Licht, Thermoelektrik ein Gefälle, Piezoelektrik Bewegung.

Warum die Speicherung dazugehört

Kaum eine Quelle liefert gleichmäßig. Deshalb besteht ein Energy-Harvesting-System fast immer aus drei Teilen: dem Wandler, einer Aufbereitungsschaltung und einem Speicher.

Der Speicher ist häufig ein Superkondensator statt einer Batterie — er verträgt Hunderttausende Ladezyklen und altert kaum.

Dazu kommt ein Kunstgriff aus der Elektronik: Tastverhältnis. Ein Sensor misst nicht dauernd, sondern schläft und wacht alle paar Minuten für Millisekunden auf. So genügt eine Quelle, die im Mittel weit unter dem liegt, was das Gerät im Betrieb zieht.

Wo es heute läuft

Energy Harvesting ist keine Zukunftstechnik, sondern Alltag. Funkschalter für Licht kommen ohne Batterie aus und beziehen ihre Energie aus dem Druck des Fingers. Reifendrucksensoren nutzen die Vibration. RFID-Etiketten leben von der Energie des Lesegeräts. Armbanduhren laden sich seit Jahrzehnten aus der Bewegung des Handgelenks.

In all diesen Fällen gilt dasselbe Muster: Die Energie ist gering, aber die Alternative — jemanden hinschicken — ist teurer.

Der Anspruch der Neutrinovoltaik

Der Ansatz der Neutrino® Energy Group unterscheidet sich in zwei Punkten von allem Genannten.

In der Quelle. Statt eines einzelnen Kanals nennt die Gruppe ein Bündel: Neutrinos, kosmische Myonen, elektromagnetische Schwankungen und thermische Bewegungen. Der Reiz liegt darin, dass diese Flüsse überall vorhanden sind — im Dunkeln, unter Tage, im Inneren eines Geräts.

In der Größenordnung. Für den Neutrino Power Cube nennt die Gruppe 5 bis 6 Kilowatt und kennzeichnet diese Werte als Auslegungsziele in der Entwicklung. Das liegt um viele Größenordnungen über allem, was im Energy Harvesting bislang üblich ist.

Genau darin besteht die Herausforderung des Vorhabens — und genau deshalb ist die Einordnung in dieses Feld nützlich: Sie macht sichtbar, woran sich der Erfolg später messen lassen muss.

Verwandte Begriffe

Quellen

  • Neutrino® Energy Group: Energy Harvesting, neutrino-energy.com/technology/energy-harvesting/.