Silizium

Silizium ist der Werkstoff, auf dem die gesamte Elektronik ruht — und in der Neutrinovoltaik bildet es die eine Hälfte der Schichtung, deren andere Hälfte Graphen ist.
Das zweithäufigste Element der Erdkruste
Nach Sauerstoff ist Silizium mit rund 28 Prozent der häufigste Bestandteil der Erdkruste. Es steckt in gewöhnlichem Sand, in Quarz, in fast jedem Gestein.
Rein kommt es in der Natur allerdings nie vor. Der Weg vom Sand zum Halbleiterkristall ist einer der aufwendigsten der Industrie: Reduktion im Lichtbogenofen, Reinigung über Trichlorsilan, schließlich das Ziehen eines Einkristalls nach dem Czochralski-Verfahren. Für die Mikroelektronik wird eine Reinheit von 99,9999999 Prozent verlangt — auf eine Milliarde Siliziumatome kommt höchstens ein Fremdatom.
Warum ausgerechnet Silizium
Der Grund ist die Bandlücke. In einem Festkörper dürfen Elektronen nur bestimmte Energien annehmen; zwischen dem gefüllten Valenzband und dem leeren Leitungsband klafft bei einem Halbleiter eine Lücke. Bei Silizium beträgt sie 1,12 Elektronenvolt.
Dieser Wert ist glücklich gewählt — nicht von Menschen, sondern von der Natur. Er ist groß genug, dass die Wärmebewegung bei Zimmertemperatur nicht ständig Elektronen hinüberhebt, und klein genug, dass sich das gezielt tun lässt: durch Licht, durch ein elektrisches Feld, durch eingebrachte Fremdatome.
Genau darauf beruhen Transistor, Solarzelle und Bildsensor.
Dotierung
Bringt man Fremdatome in das Kristallgitter, ändert sich das Verhalten grundlegend.
Phosphor hat ein Außenelektron mehr als Silizium. Das überzählige Elektron findet keinen Bindungspartner und wird beweglich — man spricht von n-Dotierung.
Bor hat eines weniger. Es entsteht eine Fehlstelle, die sich wie eine positive Ladung verhält — p-Dotierung.
Bringt man beide Bereiche zusammen, entsteht ein p-n-Übergang, und der lässt Strom nur in eine Richtung durch. Diese Gleichrichtung ist der Kern jeder Halbleitertechnik — und sie ist auch der Punkt, an dem die Neutrinovoltaik ansetzt.
Silizium in der Neutrinovoltaik
Das Patent WO2016142056A1 beschreibt eine Folie, auf der abwechselnd Graphen und Silizium abgeschieden sind — zehn bis zwanzig Lagen, insbesondere zwölf. Der Siliziumanteil wird mit 10 bis 80 Prozent angegeben, besonders bevorzugt 25 Prozent. Die Teilchengröße soll zwischen 5 und 500 Nanometern liegen.
Diese Größenangabe ist der interessante Teil. Silizium im Nanometerbereich verhält sich anders als ein massiver Kristall: Die Bandlücke verschiebt sich, das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen wird sehr groß, und Grenzflächen gewinnen an Bedeutung gegenüber dem Inneren.
Die Rolle, die dem Silizium in der Darstellung der Gruppe zufällt, ist die des Leitermediums: Es nimmt die im Graphengitter erzeugte Bewegung auf und gibt sie an das Trägermaterial weiter. Graphen liefert die Struktur, Silizium den Weg für die Ladung.
Der Unterschied zur Solarzelle
Eine Solarzelle nutzt Silizium ebenfalls, aber anders. Dort hebt ein einfallendes Photon ein Elektron über die Bandlücke; ohne Licht geschieht nichts. Die Zelle ist eine Fläche, und ihr Ertrag wächst mit dieser Fläche.
Die Mastergleichung der Neutrinovoltaik integriert dagegen über das Volumen. Der Ertrag soll also mit der Zahl der Lagen wachsen, nicht mit der belichteten Fläche. Ausführlicher steht das auf der Seite Photovoltaik im Vergleich.
Weitere Verwendungen
Silizium ist zudem der Werkstoff vieler Neutrinodetektoren. Halbleiterdetektoren aus hochreinem Silizium oder Germanium messen Energien sehr genau — sie stehen hinter der Suche nach dem neutrinolosen Doppelbetazerfall und hinter den Kleindetektoren für die kohärente Streuung an Atomkernen.
Damit taucht dasselbe Element auf beiden Seiten dieses Wikis auf: als Werkzeug, um Neutrinos zu messen, und als Baustoff im Versuch, Energie aus ihnen zu gewinnen.
Verwandte Begriffe
- Graphen — die andere Hälfte der Schichtung
- Dotiertes Graphen
- Patent WO2016142056A1 — die Mengenangaben
- Photovoltaik im Vergleich
Quellen
- WIPO: WO 2016/142056 A1, Ansprüche zu Zusammensetzung und Teilchengröße.
- Neutrino® Energy Group: Neutrinovoltaic, neutrino-energy.com.